Bildung

Berufsbildungsbericht 2008

Die im Berufsbildungsbericht gezogene Bilanz des Ausbildungsstellenmarktes 2007 zeigt, dass das Engagement der Partner des Ausbildungspakts wirkt. Mit rund 625.900 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zum 30. September 2007 wurde erstmals seit 2001 wieder die Marke von 600.000 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen überschritten und zugleich der zweithöchste Wert seit der Wiedervereinigung erreicht. Vorrangiges Ziel für Sozialpartner und Politik ist 2008 die Vermittlung von Altbewerbern und Altbewerberinnen.

Bilanz des Ausbildungsstellenmarktes im Jahr 2007

Der Ausbildungsstellenmarkt hat sich zwischen Oktober 2006 und September 2007 sehr erfreulich entwickelt. Mit 625.914 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen haben die zuständigen Stellen zum Stichtag 30. September 2007 das zweithöchste Vertragsergebnis seit der Wiedervereinigung gemeldet. Höher fielen die Meldungen an neuen Verträgen lediglich im Jahr 1999 (631.015) aus.

Die positive Vertragsentwicklung aus dem Vorjahr hat sich damit verstärkt fortgesetzt: Nach einem Vertragsplus von knapp 25.973 oder 4,7 Prozent zum September 2006 konnte die Zahl der neuen Verträge zum September 2007 um weitere 49.761 oder 8,6 Prozent gesteigert werden. Innerhalb von zwei Jahren stieg die Zahl der neuen Verträge somit um 75.734.

Lücke zwischen unversorgt gebliebenen Bewerbern und Bewerberinnen und noch offenen Ausbildungsplätzen schließt sich

Der deutliche Anstieg der neu abgeschlossenen Verträge hat dazu beigetragen, die Zahl der gemeldeten noch unversorgten Jugendlichen spürbar zu senken. Zum 30. September 2007 hat die Statistik der Bundesagentur für Arbeit 29.102 noch unversorgte Bewerber und Bewerberinnen ausgewiesen. Das sind gut 20.000 Jugendliche bzw. 41,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der relative Rückgang an unversorgten Bewerbern und Bewerberinnen fiel in den neuen Ländern mit 47,3 Prozent (auf 8.551) deutlich höher aus als in den alten Ländern ( 38,2 Prozent auf 20.546).

Gleichzeitig hat sich die Zahl der gemeldeten noch offenen Ausbildungsplätze um 2.958 bzw. 19,2 Prozent auf 18.359 erhöht. Dabei entfallen auf die alten Länder 15.953 noch offene Plätze, auf die neuen Länder 2.338.

Auch wenn die Zahl der unversorgten Bewerber und Bewerberinnen die Zahl der noch offenen Ausbildungsplätze um etwa 11.000 übertrifft, sind die Erfolgschancen bei der Nachvermittlung der 29.102 unversorgten Jugendlichen spürbar gewachsen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit stehen hierfür nicht nur die rund 18.000 noch offenen Ausbildungsplätze, sondern auch die rund 35.000 noch freien Plätze in Einstiegsqualifizierungen zur Verfügung.

Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt maßgeblich durch den allgemeinen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt geprägt

Wie bereits im vergangenen Jahr wurde auch im Jahr 2007 die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt maßgeblich durch den allgemeinen Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt geprägt. Die bundesweite Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten nahm von Anfang Oktober 2006 bis Ende September 2007 nach den bislang vorliegenden Zahlen um 539.400 zu. Infolge des Beschäftigungsplus stieg auch die Zahl der von den Betrieben, Verwaltungen und Praxen abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Aber auch das außerbetriebliche Ausbildungsplatzangebot wurde ausgeweitet. Dies betraf insbesondere die SGB-geförderte Ausbildung für Jugendliche mit individuellen Benachteiligungen bzw. mit Behinderungen, in die im Berichtsjahr 2007 (01.10.2006 bis 30.09.2007) gut 4.700 Personen mehr einmündeten als im Jahr zuvor. Zudem kam es noch zu weiteren Einmündungen im Rahmen des Nachvermittlungsgeschäfts nach Abschluss des Berichtsjahres.

Nach vorläufigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit haben im Kalenderjahr 2007 49.322 junge Menschen eine Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung begonnen. Dies entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 35,7 Prozent. Bezieht man die 19.710 Einritte in Reha-Ausbildung nach § 102 SGB III mit ein, so sind von Januar bis Dezember 2007 69.000 und damit 12.100 mehr Jugendliche als im Vorjahr in außerbetriebliche Ausbildung eingemündet. Vom Gesamtzuwachs bei den neuen Ausbildungsverträgen im Umfang von 49.800 zusätzlichen Neuabschlüssen ist nach den bislang vorliegenden Schätzungen allenfalls ein Fünftel bis zu einem Viertel auf die Ausweitung der außerbetrieblichen Ausbildung zurückzuführen. Dies bedeutet, dass die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge im Jahr 2007 mindestens um 37.000, möglicherweise sogar um über 40.000 gestiegen ist.

Steigerung der Neuverträge in fast allen Bereichen der zuständigen Stellen

Die Industrie- und Handelskammern meldeten rund 367.500 neue Verträge, das ist ein kräftiges Plus von über 30.500 Verträgen bzw. 9,1 Prozent. Die Zahl der Neuverträge übertrifft damit alle bisherigen Ergebnisse seit 1992.

Der Zuwachs an Neuverträgen in Industrie und Handel ist nahezu ausschließlich in den alten Ländern (11,7 Prozent) erzielt worden. Mit einer Steigerung um 0,2 Prozent blieb die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in den neuen Ländern nahezu konstant.

Das Handwerk hat seine Neuverträge um 10,5 Prozent bzw. um 17.100 auf knapp 180.000 neue Vertragsverhältnisse ausweiten können. Auch lagen die Zuwachsraten in den alten Ländern (12,1 Prozent) deutlich über denen der neuen Ländern (3,9 Prozent).

Altbewerber bleiben berufsbildungspolitische Aufgabe

Die Bundesagentur für Arbeit weist seit einigen Jahren stark wachsende Zahlen von  Ausbildungsplatzbewerbern und -bewerberinnen aus, die die Schule bereits seit mindestens einem Jahr oder länger verlassen haben. 2007 wurden rund 385.000 Altbewerber und Altbewerberinnen gezählt, 281.000 in den alten, 103.900 in den neuen Ländern. Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung belegen, dass die Gruppe der Altbewerber und Altbewerberinnen sehr heterogen ist, mit teils guten aber zum Teil sehr schlechten Ausbildungschancen.

Die Erfolgschancen der Altbewerber und Altbewerberinnen, in Ausbildung einzumünden, hängen von verschiedenen Einflussfaktoren, wie dem Zeitpunkt des Schulabgangs, den Schulnoten, dem Alter und den regionalen Arbeitsmarkt- bzw. Ausbildungsmarktbedingungen ab. Je länger der Schulentlasszeitpunkt zurückliegt, je schlechter das Zeugnis ausfällt, je älter der Bewerber oder die Bewerberin ist, umso schlechter sind die Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz.

Deshalb hat die Bundesregierung mit ihrer Qualifizierungsinitiative ein Paket gezielter Maßnahmen für besonders förderungsbedürftige Altbewerber auf den Weg gebracht

Nationaler Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs

Der Nationale Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs hat im Jahr 2007 deutlich zur Verbesserung der Ausbildungssituation beigetragen und die selbst gesteckten quantitativen Zielsetzungen übertroffen. Die Bundesregierung und die Wirtschaft haben den 2004 geschlossenen Pakt daher im März 2007 für drei Jahre bis 2010 verlängert und dabei zusätzliche quantitative Zielvereinbarungen festgelegt. Zudem hat sich mit dem Bundesverband der Freien Berufe der Kreis der Paktpartner erweitert.

Die Wirtschaft hat dabei ihre Zusagen zur Einwerbung von neuen Ausbildungsplätzen auf jährlich 60.000 (bisher: 30.000 Plätze/Jahr) erhöht. Darüber hinaus sagt die Wirtschaft die Bereitstellung von jährlich 40.000 betrieblichen Einstiegsqualifikationen (bisher: 25.000/Jahr) und die Einwerbung von jährlich 30.000 neuen Ausbildungsbetrieben zu. Die Bundesregierung hat zugesagt, das Sonderprogramm Einstiegsqualifizierung Jugendlicher entsprechend aufzustocken und die Förderung für die kommenden drei Jahre sicherzustellen.

Sie unterstützt die Pakt-Bemühungen zudem mit dem aufgestockten JOBSTARTER- und dem Bund-Länder-Ausbildungsprogramm Ost. Zudem schreibt sie den Anteil der Ausbildungsplätze in der Bundesverwaltung auf mindestens 7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten fest. Die Bundesagentur für Arbeit hat zugesagt, ihre Beratung und Vermittlung in Ausbildung mit dem Einsatz ihrer Förderinstrumente auf hohem Niveau fortzusetzen und zusätzlich 7.500 außerbetriebliche Ausbildungsplätze einmalig im Herbst 2007 zu fördern. Diese gesteigerten Zielzusagen wurden 2007 von den Paktpartnern erreicht und übertroffen.

Neue Reforminitiativen der Bundesregierung zur beruflichen Bildung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat die Herausforderungen im Jahr 2007 mit Partnern von Bund, Ländern, Wirtschaft, Gewerkschaften, Forschung und Praxis in einem strukturierten Reformprozess aufgegriffen und Lösungsvorschläge erarbeitet, die sich zum Teil bereits in Umsetzung befinden. Maßgebliche Impulse setzten dabei der vom BMBF einberufene Innovationskreis berufliche Bildung (IKBB) und die in 2007 unter Federführung des BMBF entwickelte und im Januar 2008 verkündete Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung.

Der IKBB hat im Juni 2007 10 Leitlinien zur Modernisierung der beruflichen Bildung vorgelegt, die große Beachtung in der Fachöffentlichkeit fanden und die teilweise noch in 2007 bereits in die Praxis umgesetzt wurden.

Die unter Federführung des BMBF erarbeitete und am 09.01.2008 verabschiedete Qualifizierungsinitiative bündelt zentrale Maßnahmen der Bundesregierung mit dem Ziel, das deutsche Aus- und Weiterbildungswesen in Qualität und Wirkungsbreite zu verbessern und somit zur Sicherung von Wachstum und Beschäftigung in Deutschland beizutragen.

  • Bildung

    Aufstieg durch Bildung - die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung

    Das Bundeskabinett hat am 9. Januar 2008 die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung beschlossen. Darin sind alle Maßnahmen der Bundesregierung gebündelt, die den Weg zu mehr Bildung und Qualifizierung öffnen sollen. Die Qualifizierungsinitiative umfasst Aktivitäten zur Förderung und Unterstützung über den gesamten Lebensweg von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung im Beruf. Die Umsetzung sowie weitere Maßnahmen werden mit den Bundesländern, Unternehmen und Sozialpartnern abgestimmt.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/12042.php)
  • Hightech-Strategie

    Innovationskreis berufliche Bildung

    Erklärtes Ziel des Innovationskreises war es, die zentralen Herausforderungen für Innovation im deutschen Berufsbildungssystem zu identifizieren und konkrete Handlungsoptionen zur strukturellen Verbesserung der beruflichen Bildung zu erarbeiten.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/6190.php)
  • Bildung

    Ausbildungsoffensive

    Die Ausbildungsoffensive der Bundesregierung hat das Ziel, die Ausbildungsplatzsituation nachhaltig zu verbessern, sie ist zugleich zentrales Element zur Umsetzung der im "Nationalen Pakt für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland" vereinbarten flankierenden Aktivitäten des Bundes. Durch verschiedene Aktionen soll die Wirtschaft bei der Schaffung von Ausbildungsplätzen unterstützt werden. Dies gilt vor allem in Regionen mit vergleichsweise schlechtem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage an Ausbildungsplätzen. Zudem sollen mehr Ausbildungsstellen in Zukunftsbranchen bzw. in neuen Technologienbereichen geschaffen werden.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/ausbildungsoffensive.php)
  • Bildung

    JOBSTARTER: das Förderprogramm für mehr Ausbildungsplätze

    Ausbildung wird gefördert. Zur Mobilisierung von Ausbildungsplätzen in Betrieben und zur Finanzierung zusätzlicher Ausbildungsplätze gibt es spezielle Förderprogramme. Mit dem Programm "JOBSTARTER - Für die Zukunft ausbilden" werden die bisher bestehenden Programme neu ausgerichtet.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/2313.php)

Dokumente

  • Berufsbildungsbericht 2008

    [PDF - 2,30 MB]

    Titelbild der Publikation

    Vorversion (URL: http://www.bmbf.de/pot/download.php/M%3A7912+Berufsbildungsbericht+2008/~/pub/bbb_08.pdf)